Die Debatte um die Südumfahrung in Hagsfeld spitzt sich weiter zu: Entlastung des Verkehrs oder eine ökologische Sackgasse? Seit vielen Jahren diskutiert Karlsruhe den Lückenschluss zwischen dem Autobahnanschluss Nord, der B 10 und der L 560, um die Wohngebiete in Hagsfeld vom Durchgangsverkehr zu befreien. Während die Notwendigkeit dieser Entlastung von vielen politisch anerkannt wird, überschattet ein Streit über die bauliche Umsetzung die Diskussion.
Im Fokus stehen zwei Varianten der Umfahrung: die sogenannte „Troglösung“, die den Verkehr durch ein 300 Meter langes Unterführungsbauwerk unter den Gleisen der Deutschen Bahn leiten soll, und die von der Wählergemeinschaft FÜR Karlsruhe geforderte Brückenlösung. Obwohl die Stadtverwaltung zunächst die Brückenlösung aus wirtschaftlichen Gründen favorisierte, entschied sich der Gemeinderat im Jahr 2020 für die technisch herausforderndere Unterführung.
Die Wählergruppe FÜR Karlsruhe kritisiert diese Entscheidung scharf und sieht in der Troglösung ein finanzielles Risiko. Die ursprünglichen Baukosten wurden von 70 Millionen Euro auf mittlerweile 132,5 Millionen Euro fast verdoppelt. Zudem belasten jährliche Betriebskosten von rund 3,8 Millionen Euro für Grundwasserpumpen und Beleuchtung den städtischen Haushalt über Jahrzehnte.
Technische Bedenken verstärken die Kritiken: Die Troglösung erfordert eine tiefgreifende Bauweise bis zu 9 Meter unter die Erde, was erhebliche Eingriffe in den Grundwasserfluss und die lokale Ökologie mit sich bringt. Zudem ist die Realisierung stark von der Deutschen Bahn abhängig, da der Zeitplan an die Generalsanierung der Bahnstrecke Karlsruhe–Mannheim im Jahr 2031 gekoppelt ist. Scheitert dieses Vorhaben, steht das gesamte Projekt auf der Kippe. Die alternative Brückenlösung könnte hingegen unabhängig von der Bahn umgesetzt werden und wäre finanziell sowie ökologisch überlegen.
Am 24. März 2026 fiel in einer Gemeinderatssitzung der Beschluss zugunsten der Troglösung mit 24 Ja- zu 20 Nein-Stimmen, unterstützt von den Fraktionen CDU, SPD und FDP. Dagegen lehnte der Gemeinderat den Änderungsantrag von FÜR Karlsruhe für die Brückenlösung ab. Die Befürworter der Troglösung beriefen sich auf „Verlässlichkeit“ gegenüber den Bürgern, übersahen jedoch die finanziellen Implikationen der Entscheidung, die unter dem Vorbehalt der Haushaltsmittel steht.
FÜR Karlsruhe sieht diese Entscheidung äußerst kritisch und bezeichnete sie als „finanzielle Fehlsteuerung“ mit langfristigen Risiken. Stadtrat Friedemann Kalmbach warnte vor der Verschwendung begrenzter Steuergelder für eine Lösung, die an anderer Stelle, wie für Schulen oder die soziale Infrastruktur, dringend benötigt werden. Angesichts der aktuellen Haushaltssituation ist der Fokus auf eine ehemalige Planung fatal, die den heutigen wirtschaftlichen und ökologischen Anforderungen nicht mehr gerecht wird.
Lesen Sie den Artikel “Bei der Südumfahrung in Hagsfeld wurde eine Entscheidung gegen wirtschaftliche Vernunft und ökologische Notwendigkeiten getroffen” auf der Website der FÜR Karlsruhe im Gemeinderat Karlsruhe.