Die Verwaltung hat unsere Fragen auf unsere Anfragen zu Steingärten beantwortet:

 

Verwaltung: Die Beantwortung der Anfrage bezieht sich auf künstliche, monotone Stein-, Kies- und Schottergärten, die in den letzten Jahren vor allem im Privatgartenbereich verstärkt zu verzeichnen  sind, vornehmlich in den Vorgartenzonen. Diese Steinflächen sind lediglich mit einzelnen wenigen Pflanzen gespickt, die mit den verschiedenen, für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten wichtigen trockenen und Stein geprägten Lebensräumen (heimische Trocken- und Halbtrockenrasen,  Lebensbereich der Steppen, Felssteppen, Felsmatten oder Steinfugen) nichts mehr zu tun haben. Die entsprechenden Naturstandorte sind Lebensraum für zahlreiche hochspezialisierte Tiere  und Pflanzen.      

 

  1. In welcher Weise beinträchtigen Steingärten das städtische Klima, das Mikroklima, die Böden und deren Wasserhaushalt und den Lebensraum von Tieren und Insekten?  

Verwaltung: Der Wert der Freiflächen an und vor den Gebäuden ist vielfältig. Eine dem Standort angepasste mit Pflanzen gestaltete Fläche dient vielen Aspekten – vom Lebensraum für Insekten, für das Klima in der Stadt bis zum Straßenbild und der Atmosphäre in der Nachbarschaft.  Mit Steinmaterial, weitgehend vegetationsfrei gestaltete Gartenflächen sind in ihren Wirkungen vergleichbar mit stark versiegelten Flächen. Die negativen klimatischen Wirkungen infolge der Wärmespeicherung und der gegenüber begrünten Flächen reduzierten Abkühlung sind deutlich im unmittelbaren Umfeld spürbar. Dies gilt umso mehr für dunklere Materialien. Bei entsprechendem Flächenumfang werden auch die klimatischen Verhältnisse in einem Straßenzug oder  Baublock negativ beeinflusst. Die Bodenfunktionen und der Wasserhaushalt werden durch eine  Schotterabdeckung erheblich gestört. Die Versickerung von Niederschlagswasser bleibt in der  Regel weitgehend erhalten, es sei denn, man baut abdichtende Materialien wie Folien ein. Für  zahlreiche Tierarten fehlen auf vegetationsfreien Steinflächen Nahrungsangebote. Sie sind daher  als Lebensraum von geringem Wert.    Insbesondere die Tatsache, dass diese “Gärten” mehr oder weniger vegetationsfrei oder -arm  sind, führt zu negativen Effekten. Gerade die Pflanze als wesentliches Element des Gartens  bringt die eigentlichen Wohlfahrtswirkungen. Das Blattwerk hält den Regen länger zurück und  sorgt für einen verzögerten Abfluss, die Verdunstung sorgt für Luftkühlung. Unterschiedliche  Pflanzen bieten Lebensräume für Tiere oder sind als Futterpflanzen wichtig für die Fauna. Auch  gestalterisch sind die Gärten fragwürdig und das Erleben der Jahreszeiten mit dem Blattaustrieb,  dem Blütestadium, dem Herbst- und auch dem Winteraspekt geht verloren.

  1. Welche Informationen und Hilfestellungen wären notwendig, um eine weitere Zunahme von Steingärten zu verhindern und auf den Wert von grünen Gärten aufmerksam zu machen?  

Verwaltung: Das Gartenbauamt versucht, den aktuellen Tendenzen im Rahmen der Möglichkeiten entgegenzuwirken. Das Wichtigste ist dabei die Vorbildfunktion. So werden die städtischen Grünflächen nicht als Steingärten gestaltet. Einzige Ausnahme ist ein Teilbereich im Japangarten im  Stadtgarten, da japanische Gärten und die Bedeutung von Steinen in der japanischen Gartenkunst unter anderen Gesichtspunkten zu betrachten sind. Das Gartenbauamt verwendet auch  Mineralmulch bei bestimmten Staudenpflanzungen, die im Winter durch die mineralische   Abstreu vielleicht die Assoziation monotoner Steinwüsten hervorrufen könnte. Für das Abdecken (Mulchen) des freien Bodens zwischen Pflanzungen ist die Wahl des Mulchmaterials auf  die Standortbedingungen der Pflanzen abzustimmen. So kommt fallweise feiner Kies oder Splitt  als Mulchmaterial zum Einsatz.    Durch die Öffentlichkeitsarbeit versucht das Gartenbauamt, den Bürgerinnen und Bürgern die  Pflanze und den mit Pflanzen gestalteten Garten nahe zu bringen. Eine Möglichkeit hierfür sind  die Führungen zum Thema Pflanze im Stadtgarten, eine weitere ist seit 2014 die “Offene Pforte”. Einen ganzen Sommer lang laden Privatpersonen zu bestimmten Terminen die Öffentlichkeit ein, ihre grünen Gartenoasen kennen zu lernen. Diese guten Beispiele von Gartengestaltung sollen Impulse und Anregungen bieten für die Interessierten, die sie dann im eigenen  Wohnumfeld anwenden können. Gärten mit steinern gestalteten Vorgärten oder großflächig  steinernen Gartenpartien werden nicht zur Teilnahme an der Offenen Pforte zugelassen.   Auch das Programm zur Begrünung von Höfen, Dächern und Fassaden, das vom Gartenbauamt  seit 1977 mit dem zugehörigen Wettbewerb durchgeführt wird, ist ein Instrument, die Bürgerinnen und Bürger, die ihren Hof neu gestalten wollen, zum grünen Gartenhof hin zu beraten,  was in den meisten Fällen auch gelingt. Hierfür können dann auch Fördermittel in Anspruch  genommen werden.  Zwar sind Steingärten gerade „in“, allerdings zeichnet sich auch wieder ein Trend hin zu klassischen, wieder naturnahen Gartengestaltungen ab, die auf artenreiche Gärten mit hoher Diversität abzielen.    Das Korridorthema “Meine Grüne Stadt Karlsruhe” führt mit eigenen Maßnahmen und der  Bürgerschaft an die Natur und insbesondere an die Thematik der Biodiversität heran. Durch  entsprechende Öffentlichkeitsarbeit und -beteiligung werden die Bedeutung von Naturschutz  und Klimaschutz in der Stadt vermittelt.  Die Verwaltung plant in diesem Rahmen die Erarbeitung eines Biodiversitätskonzeptes. Das Gartenbauamt wird seine Planungen bezüglich Förderung der Artenvielfalt und Klimaanpassung  weiter optimieren und damit auch Beispiel geben.    Darüber hinaus gäbe es die Möglichkeit der Reglementierung im Rahmen der Erstellung von  Bebauungsplänen, in denen entsprechende grünordnerische Festsetzungen aufgenommen werden. Im Rahmen von neuen Bebauungsplänen ist die Abbildung von Grünordnungsbelangen ein  wichtiger Fokus, entsprechend konkrete Festsetzungen helfen hier weiter. Wichtig ist die spätere Kontrolle der Umsetzung. Hierzu müsste entsprechendes Personal bei der Stadtverwaltung  bereitgestellt werden

  1. Mit welchen Maßnahmen kann die Stadt den Besitzern von Steingärten positive Anreize für den Umstieg auf grüne Gärten geben?  

Verwaltung: Einige Anreize zur Umgestaltung, wie Beratung, Information oder finanzielle Förderung, wurden bereits dargestellt. Es fehlt leider mitunter an der Einstellung und der grundsätzlichen Bereitschaft vieler Gartenbesitzerinnen und -besitzer zur Wiederbegrünung der Gartenflächen. Häufig  sind aber auch zeitliche Aspekte oder körperliche Einschränkungen der Bewirtschaftenden der  Grund, weshalb aus grünen Gärten graue Steinflächen werden. Hier könnten über das Korridorthema “Grüne Stadt” geeignete Instrumente im Bereich des bürgerschaftlichen Engagements erarbeitet werden. Die direkte Beteiligungskultur durch Bürgerinnen und Bürger, die im  Rahmen des Korridorthemas unterstützt werden soll, stellt einen wichtigen Beitrag dar, mit dem  in den Stadtquartieren die Bürgerinnen und Bürger inhaltlich an die grüne, also vegetationsbestimmte Gestaltung ihrer Umwelt und ihrer Freiflächen herangeführt werden können. Positive  Beispiele dienen zur Identifikation mit dem Quartier, regen aber auch zum Mit- und Nachmachen an. Dies ist eine Chance, “Grün” in der Stadt weiter positiv zu besetzen und zu verwirklichen. Angedacht ist eine Information für Bürgerinnen und Bürger über pflegeleichte, aber klimaregulierende und artenvielfaltsfördernde Bepflanzungen im Hausgarten.